Berichte 2026

WakeUp vom 07. Juni 2026

Predigt: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt (Markus 9, 23)

Von Simon Ruch

Jesus aber sprach zu ihm: "Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt."

Liebe Gemeinde wann standet ihr schon mal vor einer Aufgabe und dachtet: 

„Das schaffe ich nie!‘‘ und am Ende habt ihr es trotzdem geschafft? Wenn du z.B. in der Schule einen Test hast und du gar nichts oder nur wenig gelernt hast, dann trotzdem eine 5 hast, dann bist du zuerst mal erleichtert, aber fragst dich (viel­leicht) wie das möglich ist, dass du mit dem schlechten Lernverhalten so eine Note bekommen konntest.

"Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt" kann man folgenderweise interpre­tieren; nämlich: Wenn du an etwas glaubst, dann ist dir dadurch alles möglich. Jetzt stellt sich die Frage: ,,Was ist das etwas?‘‘

Joh 14,6 Jesus spricht zu ihm: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch mich." Du sollst zuerst an Jesus glauben, denn er bringt dich zu Gott. Um auf die Frage zurückzukom­men: Gott ist das etwas.

Wenn du also vor einer Aufgabe, einem Problem stehst, bei der du nicht weisst, wie du sie überwinden kannst, dann darfst du wissen, dass Gott dir dabei helfen wird, sie zu überwinden. Denn für ihn ist nichts unmöglich. Diese Hilfe kann of­fensichtlich oder nur subtil sein, sie kann früh oder spät kommen, Gott hilft dir. Am besten bittest du Gott im Gebet um Hilfe (Herr, bitte hilf mir bei dieser Sache.) Damit du deine Sorgen direkt mit Gott teilen kannst.

1. Petrus 5.7 "Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch."

Um noch mal auf das Anfangsbeispiel zurückzukommen. Natürlich musst du trotzdem lernen, sonst musst du die Konsequenzen akzeptieren.

Das Einzige, das dich hindern kann, eine Aufgabe zu meistern bist (neben der Sünde/Satan) Du! Wenn du immer nur die einfachen Sachen machst und dich nie Herausforderungen stellst, wie willst du dann wachsen oder etwas Neues lernen? Wie willst du herausfinden, wozu dich Gott befähigt? Darum scheue nicht etwas zu machen was schwierig aussieht, den Gott hilft dir ja.

Der Bund Evangelischer Schweizer Jungscharen, kurz BESJ, dem auch die Jungschi Madiswil angehört, hat ein System, mit dem das Können der Jungschi-Mitglieder bewertet wird. Nämlich bekommt ein Jungschärler für das Absolvieren bestimm­ter Aufgaben ein sternenförmiges Abzeichen. Dieses hat je nach Altersstufe eine andere Farbe. (Sternchen zeigen, Stufe erklären) Mögliche Aufgaben sagen. 

Neben diesen Sternchen gibt es noch eines, welches man nur im Minileiterkurs (MIK) bekommen kann. Das Goldene, Ich habe nur dieses, nicht weil ich zu schlecht bin, die Anderen zu verdienen, sondern weil die Jungschi erst in meinem letzten Jahr als Teilnehmer mit den Sternchen angefangen hat. 

Wir bekommen im mik 2025 ein Schlüsselband mit einem Anhänger, in dem be­fand sich ein Notfallblatt und ein Zettel auf dem Aufgaben standen, die man ab­solvieren musste um das goldene Sternchen zu erhalten. Diese Aufgaben z.B. kor­rekte Seitenlagerung musste in Anwesenheit eines Gruppenleiters machen. Die­ser konnte auch Aufgaben auf dem Zettel ankreuzen. 

Ich war wahrscheinlich mit der Situation überfordert und habe mich gefragt, wie ich das schaffen sollte. Deshalb habe ich nicht sehr aktiv die Aufgaben gemacht, sondern habe eher die Aufgaben absolviert, die man innerhalb des Programms des Kurses machen konnte. Am letzten Abend informierte die Lagerleiterin (Me­lanie)uns, dass wir noch eine Stunde Zeit haben, um das Sternchen zuverdienen. Sonst müsste man die Aufgaben in seiner Jungschar absolvieren und das Zettel­chen per Post einsenden, um das Sternchen zu bekommen.

Als ich am überlegen war, wie ich die Aufgaben zuhause erfüllen kann, über­zeugte mich Severin (einer meiner Gruppenleiter) es doch zu versuchen, das Sternchen jetzt noch zuverdienen. Also gingen wir die Aufgaben durch. Severin war sehr grosszügig, denn bei manchen Aufgaben hätte ich keine Ahnung und habe Sachen gesagt, welche ich von anderen gehört hatte. Ungefähr 20 Minuten spä­ter hatte ich alle Aufgabe absolviert und konnte mein Sternchen abholen.

"Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt."

Wenn du an Gott glaubst, ist dir alles möglich. Zuerst sollst du aber daran glauben, dass Jesus für dich gestorben ist, dass deine Sünden vergeben werden. Darum trau dich schwierige Aufgaben anzugehen, denn du darfst Gott um Hilfe bitten und Er wird dir helfen.

WakeUp vom 3. Mai 2026

Predigt: Kriminalität und Herz

Von Jürg Steiner

Liebe Gemeinde, liebe Gäste

Die Bibel sagt: «Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn aus ihm ent­springt das Leben.» In der Schrift ist das Herz das Zentrum unseres Denkens, Fühlens und Wollens. Es ist wie ein Garten: Was hineinfällt, beginnt zu wachsen Gutes wie Ungutes. Darum gilt: Achte auf deine Gedanken, deine Motive und deine Entscheidungen. Wer sein Herz bewahrt, schützt die Quelle seines Lebens.

Oder wie es der Schriftsteller Charles Reade im 19. Jahrhundert geschrieben hat: «Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte, achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen, achte auf deine Handlungen, denn sie werden Ge­wohnheiten, achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charak­ter, achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.»

Ich habe das auf schmerzliche Weise verstanden. Als junger Polizist stand ich ein­mal mitten in einem Tatort. Eine Frau war getötet worden. Neben mir ihr Ehe­mann, ein Mensch, dessen Welt in wenigen Stunden zerbrochen war. Seine Ver­zweiflung, seine Schreie, sein Blick… das trägt man ein Leben lang mit sich.

Später begegnete ich dem Täter. Und ich merkte: Er war nicht als Monster ge­bo­ren. Er war ein Mensch aber ein Mensch, der seinen dunklen Gedanken im­mer wieder Raum gegeben hatte, bis sie ihn beherrschten. Er beschrieb mir ei­nen inneren Prozess, der erschreckend vertraut klang: Ein Gedanke. Ein Wunsch. Eine Entscheidung. Eine Tat.

Die Bibel beschreibt genau das: «Die Begierde gebiert die Sünde; die Sünde aber bringt den Tod hervor.» Das klingt alt aber jeder kennt diesen Weg. Nie­mand von uns ist frei davon. Wir alle tragen Licht und Schatten in uns. Wir alle kennen Gedanken, die uns in eine Richtung ziehen, die wir eigentlich nicht wol­len: Neid. Bitterkeit. Stolz. Verletzte Gefühle. Ungeduld. Groll. Vielleicht glaubst du nicht an Gott. Vielleicht findest du das Wort «Sünde» schwierig. Aber du kennst diesen inneren Kampf. Jeder Mensch kennt ihn. Schon im Garten Eden beginnt alles mit einer Frage: «Sollte Gott wirklich gesagt haben…?» Es ist die erste Relativierung. Heute klingt sie so: «Ist doch nicht so schlimm. Alle machen es. Ich tue ja nie­man­dem weh.» Und das Herz wird ungeschützt.

Der erste Mörder der in der Bibel erwähnt wird, war Kain. Er sah seinen Bruder Abel, verglich sich mit ihm, wurde neidisch und wollte sein wie er, ohne sein ei­genes Herz zu verändern. Gott warnte ihn: «Die Sünde lauert vor der Tür; sie will dich haben. Du aber sollst über sie herrschen.» Das ist keine Drohung. Es ist eine Diagnose und ein Ruf zur Verantwor­tung. Schädliche Gedanken drängten an die Tür seines Herzens. Es lag an ihm, ihnen keinen Raum zu geben. Doch Kain tat es nicht. Er öffnete innerlich die Tür und aus einem zerstörerischen Impuls wurde eine tödliche Tat. Er tötete seinen Bruder.

Wir können nicht verhindern, dass gute wie auch schlechte, belastende Gedan­ken an unsere Tür klopfen. Doch wir selbst entscheiden, ob wir ihnen öffnen und Raum geben. Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein Handeln und ebenso dafür, welchen Gedanken er nachgeht und welchen er bewusst den Eintritt ver­weigert. Genau hier beginnt die gute Nachricht: Gott hat uns nicht aufgegeben. Er kennt unser Herz. Er weiss, wie verletzlich wir sind, und er lässt uns nicht al­lein. Deshalb sandte er seinen Sohn zu uns, damit wir nicht schutzlos jenen Ge­danken ausgeliefert sind, die uns schaden und gefangen nehmen wollen. In ihm finden wir Kraft, Orientierung und Frieden, besonders dann, wenn unsere Ge­danken uns herausfordern.

Jesus kam, um uns mit Gott zu versöhnen und unserem verletzten Herzen neues Leben zu schenken. Er kam nicht für perfekte Menschen, sondern für Menschen, die kämpfen, die scheitern, die sagen: «Ich brauche Hilfe. Ich brauche Frieden. Ich brauche ein neues Herz.» Jesus nimmt unsere Schuld, unsere dunklen Ge­dan­ken und unsere verborgenen Kämpfe und er schenkt uns ein neues Herz. Ein Herz, das leben kann. Ein Herz, das frei wird. Ein Herz, das wieder hoffen darf. Vielleicht bist du unsicher. Vielleicht hast du Fragen. Vielleicht glaubst du nicht alles. Das ist in Ordnung. Aber wenn du spürst: «Ich brauche Veränderung», dann darfst du wissen: Jesus weist niemanden ab, der zu ihm kommt. Ein einfa­cher Ruf genügt: «Jesus, hilf mir.» «Herr, bewahre mein Herz.» Er hört. Er trägt. Er heilt. Und er geht mit uns gerade dort, wo wir unsere Schwäche am stärksten spüren. Wenn wir unser Herz und unsere Gedanken auf Jesus Christus ausrich­ten, erneuert er die Quelle unseres Lebens. Und aus einem Herzen, das ihm ge­hört, fliesst neues Leben. Darum: Bewahre dein Herz wie einen Garten. Lass nicht jeden Gedanken hinein, sondern öffne es dem, der Leben schenkt. Wenn Chris­tus dein Herz berührt, beginnt Neues zu wachsen: Hoffnung, Frieden, Kraft. Und aus einem Herzen, das ihm gehört, entsteht ein Leben, das trägt.

Wenn du Fragen hast oder dich unsicher fühlst, such dir einen gläubigen Men­schen, dem du vertraust. Jemand, der dir liebevoll zur Seite steht und dir hilft, deine Gedanken und dein Leben Jesus anzuvertrauen. Der dich begleitet, wenn du dein Herz für Jesus öffnest und Schritt für Schritt auf ihn zugehst. So findest du durch Jesus den Weg zu Gott, unserem Vater, der dich unendlich liebt und geduldig auf dich wartet.

Darum wollen wir jetzt ein Lied singen, das die­ses Ver­trauen ausdrückt: Jesus ist unsere Hoffnung, unsere Zuversicht, unser Halt und unsere Freude. 

Amen.

WakeUp vom 15. März 2026

Predigt:  Das Gleichnis vom wohlhabenden Kornbauern (Lukas 12, 16-21)

Von Markus Staub

Jesus sagte zu einer riesigen Menschenmenge, es waren viele Tausende, ein Gleichnis. Er will mit einer alltäglichen Geschichte die Dinge Gottes und des Himmels erklären. 

Gott ist ja der Schöpfer von Himmel und Erde. Darum können wir die irdischen, alltäglichen Dinge mit den überirdischen geistlichen Dingen vergleichen. Diese sind eben nicht gleich, aber sie sind vergleichbar. 

Wenn wir also die Geschichte dieses Bauern verstehen, können wir auch etwas von der überirdischen himmlischen Seite verstehen. 

Da ist also dieser wohlhabende Ackerbauer. Das Ackerland konnte man damals kaufen, während das Weideland gemeinnützig war. Wir können darum diesen Mann mit Sicherheit als reich einschätzen. 

In diesem Jahr erntete der Bauer einen ausserordentlichen grossen Getreideertrag. 

Seine Ernte war so gross, dass er den Entschluss fasste seine bestehende Scheune abzureissen um eine neue grössere zu bauen. Er hätte einen Teil der Ernte verkaufen können, um den Rest in seine alte Scheune einzulagern. 

Aber der Bauer hatte einen anderen Plan. 

Er sagte sich, wenn ich die ganze Ernte einlagere, muss ich hernach nicht mehr arbeiten. Dann kann ich das Leben einfach nur noch geniessen. 

In diesem Moment kommt Gott in sein Leben. Er konfrontiert ihn mit den letzten Tatsachen, mit denen er nicht gerechnet hat. 

Gott sagt ihm, du bist ein Tor. Heute musst Du sterben. Was soll nun mit deinem Getreide geschehen? 

Dann Sagte Jesus zu der Menschenmenge: 

So ist der Mensch, der Schätze nur für sich selbst sammelt und nicht reich ist im Hinblick auf Gott. 

Was bedeutet das für uns heute und hier? 

Wenn wir mit jemandem nur über die wirtschaftliche Beziehung sprechen, ist das eine rein geschäftliche Sache. Wenn wir mit unserem Ehepartner nur über die wirtschaftliche Seite unseres Hofes sprechen, wird unsere Beziehung mit Sicherheit verarmen. 

Aber wenn wir mit einem Freund unser Herz teilen, mit ihm über Freud und Leid austauschen können, nimmt dieser Freund einen Platz in unserem Herzen ein, der uns reicher macht. 

Wenn wir Männer unsere Frauen wirklich lieben, nimmt diese Frau einen grossen Platz unseres Herzens ein, unser Leben wird um Vieles reicher. 

Seht genau darum ist Jesus in diese Welt gekommen: mit der frohen Botschaft, dass Gott uns wirklich liebt und dass wir diese Liebe erwidern können. Er will keine religiösen Werke, sondern er will einen grossen Platz in unserem Herzen einnehmen. 

Diese Liebesgeschichte kann damit beginnen, dass wir unsere Herzen öffnen, dass wir sagen: Jesus komme Du in mein Herz und erfülle mich, damit der Reichtum Gottes mein Leben mitbestimmen kann! 

Wir leben in einer Zeit extremer Meinungsmacher. Ihr Ziel ist es, uns auch damit anzustecken. Aber lasst uns nicht auf diesen Karren steigen. Lasst uns vielmehr von Gottes Liebe, Kraft und Weisheit erfüllen, damit wir unsere Höfe und unsere Familien mit seiner Hilfe durch die schwierigen Zeiten navigieren können. 

Amen

WakeUp vom 15. Februar 2026

Predigt: Wie Gott ist, so sollen auch wir sein 

Von Pfr. Thomas Hurni

Wie Gott ist, so sollen auch wir sein und wenn wir es sind, sind wir ein Segen für unsere Mitmenschen und sie können sich entfalten. Denn die Art unserer Beziehung zu ihnen und ihre Beziehung zu uns, ist das Herz für die Arbeit, die uns unser Referent heute vorgestellt hat und ist das Entscheidende generell für alle unsere Begegnungen mit Menschen.

Zur Vertiefung dessen, worum es geht, möchte ich das Konzept von Vaterschaft in der Bibel erklären.

Das Konzept von Vaterschaft und Kindschaft in der Bibel besteht im Folgenden: Das Verhalten, das wir zeigen, verweist auf den, der uns Vater ist. Was auf uns abfärbt, wessen Verhalten wir zeigen, das ist unser Vater. Denn Kinder gleichen ihren Eltern. Sind wir barmherzig wie der himmlische Vater, vergeben wir wie der Vater, lieben wir die Menschen und sogar die Feinde wie der Vater, sind wir gütig gegen die Undankbaren wie er, lieben die Wahrheit wie er - und die Wahrheit ist alles, was Jesus verkörpert - so erweisen wir uns dadurch als seine Kinder, als die, die ihm gleichen, weil sie seine Kinder geworden sind. Wie der Vater, so die Kinder.

Sind Menschen umgekehrt hartherzig und nachtragend, unbarmherzig und hassen andere Menschen und die Feinde, trachten ihnen im Extremfall gar nach dem Leben, verleugnen und verwerfen Gott und sein Gebot, lehnen Jesus ab und verspotten oder verfolgen gar seine Anhänger, so ist nicht Gott, sondern der Teufel ihr Vater, weil er dieses Wesen und Verhalten hat. Menschen, die so leben, erweisen sich dann als seine Kinder. Auch hier: Wie der Vater, so die Kinder.

Das also ist das Konzept von Vaterschaft in der Bibel: Wem unser Handeln entspricht, der ist unser Vater und wir seine Kinder.

Wenn wir nun den Menschen so begegnen wie uns Gott begegnet, wir also als Kinder Gottes leben, dann können Menschen durch uns wachsen und sich entfalten, weil Segensvolles von uns ausströmt, das von Gott kommt. Jesus drückt das in Johannes 7,38f. so aus: "Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fliessen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht."

Der Geist Gottes strömt, dann von uns aus, konkret heisst das dann, wir lernen und zeigen das Verhalten des himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesus Christus, konkret: 

1. Der Vater hat Erbarmen, er vergibt, wir leben von und durch sein Erbarmen. Am Kreuz hat er es verwirklicht. Jesus ist der Sohn des Vaters, in ihm zeigt sich dieses Wesen des himmlischen Vaters vollkommen. So sollen auch wir sein und werden: Die Menschen sollen spüren, dass wir sie lieben, annehmen, ihnen verzeihen. Unverbrüchlich zu ihnen stehen. Wenn sie sich verirren sollen wir sein wie der gute Hirte, der die 99 Schafe zurücklässt und das eine verirrte, verlorene sucht. Wir sollen sein wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, der sehnsüchtig Ausschau hält nach dem Sohn, der ihn verlassen hat, und als der zurückkommt sich einfach nur freut und ein Fest macht, kein Vorwurf ist von ihm zu hören.

2. Auf diesem Boden der bedingungslosen Liebe, die er uns schenkt, verlangt der himmlische Vater auch etwas von uns. Er weist uns nämlich durch sein Gebot an, wie wir leben und wirken sollen, stellt uns in die Verantwortung. So dürfen auch wir andere fördern und dazu ermutigen wie er, unser Mass ist sein Gebot.

3. Unser himmlischer Vater hat echtes individuelles Interesse an jedem seiner Kinder, er wendet sich jedem ganz persönlich zu.

Gott nimmt uns wahr und liebt und achtet und wertschätzt uns in unserer Individualität. Wir sind in seinen Augen wunderbar gemacht. Entsprechend sind wir aufgefordert jeden Menschen persönlich wertzuschätzen, zu lieben in seiner individuellen Art, auf ihn persönlich einzugehen. Wenn unsere Mitmenschen unsere Wertschätzung spüren und erfahren, merken, dass wir sie lieben, weil sie sie sind, auch in kriselnden Phasen der Beziehung, dann gehen die Herzen auf, können Menschen genesen, aufatmen. Das können wir bei unserem Gott erfahren, das sollen die Menschen auch von uns erleben und erfahren.

Diese Veränderungen unseres Herzens und unseres Verhaltens bewirkt Gottes Geist durch Jesu Person, durch Jesu Wort und Lehre und Wirken.

Wenn wir Kinder des Vaters sind, wenn er durch Wort und Geist unsere Herzen erreicht und er in sie einziehen darf und wir mit ihm leben, beginnt sein Wesen auf uns abzufärben, dann werden wir in unserem Wesen, ohne, dass es uns bewusst ist, immer mehr ihm ähnlich und je weiter wir darin gewachsen sind, umso mehr wird das von uns von selbst ausgehen und die Menschen werden es spüren.

Die Beziehung des Vaters und des Sohnes zu uns und unsere Beziehung zum Vater und Sohn, das lässt uns wachsen als Persönlichkeiten, und wenn wir dann in unseren mitmenschlichen Beziehungen das Wesen des Vaters und des Sohnes ausstrahlen, soweit es in uns bereits Raum gewonnen hat, dann werden die Menschen durch uns in einen Raum des himmlischen Vaters und des Sohnes Jesus Christus hineinversetzt, in dem sie wachsen können.

Schliesslich geht es als Erfüllung und Krone von allem auch darum, dass wir unsere Mitmenschen behutsam und an ihre Person angepasst, zur Quelle selbst führen, zu Gott, zum Vater und zum Sohn, damit sie auch, wie wir, in ihm eingewurzelt werden und bleiben. So zieht der Kreis, immer weiter, und das Königreich Gottes weitet und breitet sich aus und trägt Gnade und Segen und Glück und Licht in die Personen hinein und in die Finsternis der Welt hinein. 

So kommen Menschen ins Licht, wir dürfen dazu beitragen und werden es, wenn wir selbst im Vater und im Sohn leben. Wenn wir es tun, dann wird es von uns ausströmen, wie Jesus sagt:" Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fliessen." Amen.

WakeUp vom 11. Januar 2026

Predigt: Gerechtigkeit und Fairness

Von Jürg Steiner

«Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)

Liebe Gemeinde, ob ihr oft hier seid oder selten, heute hören wir ein Wort Jesu, das jeden Menschen betrifft. Egal, ob man gläubig ist, zweifelt oder einfach neu­gierig ist. Die Goldene Regel spricht in unser aller Leben hinein.

Für Jesus gehören Gerechtigkeit und Fairness untrennbar dazu, dass wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten. Darin zeigt sich für ihn wahre Gerechtigkeit und so ist auch Gott. Jesus ruft uns zu: «Sucht zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit.» (Mt 6,33) Und er fasst Fairness in einem einzi­gen Satz zusammen: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sol­len, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12) In diesen Jesuworten wird sichtbar, wie Got­tes Ge­rechtigkeit und Fairness im täglichen Miteinander Gestalt gewinnen kann. 

Jesus öffnet den Blick für das Entscheidende: Wie begegnen wir einander heute? Wie leben wir miteinander? Wie gehen wir mit Macht, Besitz, Neid, Korruption und Verant­wortung um?

Der Predigtvers heute ist einer der bekanntesten Sätze Jesu, die «Goldene Re­gel» und zugleich einer der schärfsten Prüfsteine unseres Lebens und Wirtschaf­tens: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)

Diese «Goldene Regel» ist kein frommer Spruch nur für die KUW, also die kirch­liche Unterweisung. Sie ist ein Grund­gesetz des Reiches Gottes. Sie fragt: Wie gehst du mit deinem Nächsten um – als Mensch, als Christ, als Unternehmer, als Angestellter, als Bürger? Sogar die UNO übernimmt den Geist der Goldenen Re­gel, indem sie die gleiche Würde und die gleichen Rechte aller Menschen betont ein Gedanke, der tief im Evangelium verwurzelt ist.

Neben meiner Tätigkeit hier in der Kirchgemeinde Madiswil als Katechet und Ju­gendarbeiter bin ich hauptamtlich selbständig Erwerbender und stehe für eine christlich geprägte Wirtschafts­ordnung, die Freiheit, Verantwortung, Gerechtig­keit, Fairness und soziale Verantwortung miteinander verbindet. Der christliche Kapitalismus anerkennt Eigentum, unternehmerische Freiheit und Risiko, ver­steht diese jedoch als anvertraute Güter, die unter dem Anspruch des Evangeli­ums und der Nächstenliebe stehen. Der christlich verstandene Ur‑Kommunismus verweist auf die frei­willige Gütergemeinschaft der ersten christlichen Urge­meinde, in der Nächstenliebe, Solidarität und gegen­seitige Unterstützung gelebt wurden. So ordnet der christliche Kapitalismus die Freiheit, und der christliche Ur‑Kommunismus ordnet die Liebe.Kritisch beur­teile ich sowohl planwirtschaft­liche Gleichmacherei, auf Kosten der Freiheit und die Gerechtigkeit erzwingen will, als auch kapitalistische Ausprägungen, die Gewinn über Würde, Gerechtig­keit und Fairness stellen. Beide Ansätze bleiben hinter der biblischen «Goldenen Regel» zurück.

Doch bevor wir über «-ismen» sprechen, hören wir was die Bibel sagt. Bereits in der Tora, in den fünf Bücher Mose spricht Gott: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, ich bin der Herr». – 3. Mose (Levitikus) 19,18

Durch die ganze Bibel zieht sich ein roter Faden: Gott ist ein Gott der Gerechtig­keit. Die Propheten haben das unüberhörbar verkündet.

Der Prophet Amos tritt in einer Zeit grosser wirtschaftlicher Blüte auf aber diese Blüte basiert auf Ausbeutung. Er ruft: «Es ströme aber das Recht wie Was­ser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.» (Amos 5,24)
Nicht Wohlstand ist das Problem, sondern ein Wohlstand, der auf Kosten der Schwachen entsteht. Gott stellt sich schützend vor die Armen, die Verschulde­ten, die Rechtlosen. «Recht wie Wasser» bedeutet: Gerechtigkeit soll überall hin­fliessen, niemand soll vergessen werden. «Gerechtigkeit wie ein nie versiegen­der Bach» heisst: Fairness und Güte sollen niemals aufhören, sondern jeden Tag neu da sein. 

Der Prophet Micha fasst Gottes Willen in einem einzigen Satz zusammen: «Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott» (Micha 6,8). Gott sagt: Wahre Frömmigkeit zeigt sich nicht in Opfergaben, sondern in fairem, liebevollem, verantwortlichem und gerechten Handeln. Gottes Bibelwort lehrt Gerechtigkeit, Fairness und Liebe, nicht als Theorie, sondern als Lebensstil.

Jesus steht genau in dieser Linie der beiden Propheten. Er predigt nicht nur die Worte Gottes, seines Vaters, er lebt sie. Als er im Tempel sieht, wie Frömmigkeit zur Geldma­schine geworden ist, wie Menschen betrogen werden, reagiert er nicht lauwarm. Er stellt sich dem Unrecht entgegen, wirft die Tische der Geld­wechsler um und sagt: «Ihr habt aus dem Haus meines Vaters eine Räuberhöhle gemacht.» (Mt 21,13). Jesus spricht hier gegen wirtschaftliche Ausbeutung im Namen Gottes. Jesus ist nicht gegen Handel. Er ist gegen Betrug, Ausnutzung und Heuchelei. Ge­gen ein System, in dem religiöse Sprache zum Deckmantel für un­gerechte Ge­schäfte wird.

Mitten in diese Realität hinein spricht Jesus die Goldene Regel: «Behandle an­dere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.» Jesu Satz ist die ein­fachste und zugleich tiefste Form von Wirtschaftsethik: Handle so, dass du selbst damit leben könntest, wenn du auf der anderen Seite wärst. 

Eine zweite Linie der Bibel führt zu Josef in Ägypten. Josef ist kein Träumer, kein «you dream, du!». Er erkennt die kommenden Jahre des Überflusses und der Hungersnot, organisiert Vorräte, verwaltet klug und verteilt gerecht. Josef ver­körpert verantwortliche Wirtschaftsführung, durch Planung, Struktur, Weitsicht, damit Menschen über­leben kön­nen.

Oft wird in diesem Zusammenhang die Apostelgeschichte erwähnt. Dort lesen wir von einer Gütergemeinschaft in der ersten jüdisch, christlicher Gemeinde:
«Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.» (Apg 2,44)

Wichtig ist:

  1. Es war freiwillig. Petrus sagt zu Hananias: «Blieb es nicht dein Eigen­tum?» (Apg 5,4) Das Problem war die Lüge, nicht der Besitz, das Eigentum des Ackers.

  2. Es war lokal und zeitlich begrenzt. Später in Korinth oder Thessalonich gibt es weiterhin Hausbesitzer, Arbeitgeber, unterschiedliche Vermögens­lagen.

  3. Es war gelebte Nächstenliebe, keine staatliche Struktur. Keine Ideologie, kein Zwang, sondern eine geistgewirkte Praxis unter Glaubenden.

Die Gütergemeinschaft der Urgemeinde war eine freiwillige, geistgewirkte Soli­darform und steht in keinem strukturellen oder ideologischen Zusammenhang mit modernen kommunistischen Systemen. Eigentum blieb bestehen; gefordert war nicht Gleichmacherei, sondern freiwilliges Teilen.

Wenn ich von «christlichem Kapitalismus» spreche und von einem «menschli­chen Sozialismus» abgrenze, meine ich genau diese Unterscheidung:

  • Christlicher Kapitalismus achtet Eigentum, Freiheit, Unternehmertum und Ri­siko aber alles steht unter Christus. Gewinne sind anvertraute Mit­tel. Macht ist Verantwortung.

  • Menschlicher Sozialismus vertraut stark auf Planung und Gleichmacherei. Doch die Bibel zeigt: Systeme, die Gerechtigkeit erzwingen wollen, können in Kontrolle und neue Ungerechtigkeiten kippen.

Biblisch gilt: Kein wirtschaftliches oder politisches System erlöst den Menschen. Weder Kapitalismus noch Sozialismus noch Kommunismus können das leisten, was allein Gott in Jesus Christus tut. Alle Systeme bleiben von der Sünde geprägt. Entscheidend ist daher das menschliche Herz: Ob darin Gottes Gerechtigkeit und die von Jesus gelebte Fairness Raum gewinnen oder Ungerechtigkeit und Un­fair­ness herrschen.

Der christliche Weg nimmt Elemente aus allen biblischen Beispielen ernst:

  • Von Amos und Micha lernen wir: Gerechtigkeit ist unverzichtbar.

  • Von Jesus lernen wir: Wirtschaft ohne Wahrheit und Liebe verfehlt ihren Sinn.

  • Von Josef lernen wir: Verantwortung braucht Planung und Strukturen.

  • Von der Apostelgeschichte lernen wir: Liebe kann so stark werden, dass Men­schen freiwillig teilen aber nie unter Zwang.

Für uns heute, besonders hier in der Schweiz: Die Goldene Regel fordert uns kon­kret heraus. Wie behandle ich Menschen, die von mir abhängig sind? Wie kalku­liere ich Preise? Wie gehe ich mit Steuern, Löhnen, Verträgen um? Wie verhalte ich mich, wenn ein System mir erlaubt, Vorteile zu nutzen, die anderen schaden?

Christlicher Kapitalismus im Alltag heisst: Ich nutze Freiheit, Eigentum und Markt – aber ich lasse mir ins Gewissen reden von Jesus. Ich frage: Würde ich wollen, dass man mit mir so umgeht? Wenn nicht, ändere ich es.

Liebe Gemeinde, die Goldene Regel ist nicht naiv. Sie ist radikal. Sie konfrontiert uns als Selbständige, Angestellte, Konsumenten, Bürger. Sie führt uns zurück zum Evangelium, zu diesem einfachen, aber tiefen Satz Jesu:

«Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)

Wenn wir diese Haltung in Partnerschaft und Familie, in Nachbarschaft und Ar­beitswelt, in politischer Gemeinde und Kirchgemeinde sowie im öffentlichen Le­ben ernst nehmen, verwandelt sich unsere Wirtschaft zwar nicht automatisch in das Himmelreich, doch sie gewinnt den spürbaren Duft des Reiches Gottes.

Möge Gott uns den Mut schenken, so zu handeln: frei, verantwortungsvoll, ge­recht und barmherzig im Geist Jesu Christi in seinem Evangelium!

Ich danke Ihnen allen für die Geduld meiner Botschaft zuzuhören. 

Amen.