WakeUp vom 15. Februar 2026
Predigt: Wie Gott ist, so sollen auch wir sein
Von Pfr. Thomas Hurni
Wie Gott ist, so sollen auch wir sein und wenn wir es sind, sind wir ein Segen für unsere Mitmenschen und sie können sich entfalten. Denn die Art unserer Beziehung zu ihnen und ihre Beziehung zu uns, ist das Herz für die Arbeit, die uns unser Referent heute vorgestellt hat und ist das Entscheidende generell für alle unsere Begegnungen mit Menschen.
Zur Vertiefung dessen, worum es geht, möchte ich das Konzept von Vaterschaft in der Bibel erklären.
Das Konzept von Vaterschaft und Kindschaft in der Bibel besteht im Folgenden: Das Verhalten, das wir zeigen, verweist auf den, der uns Vater ist. Was auf uns abfärbt, wessen Verhalten wir zeigen, das ist unser Vater. Denn Kinder gleichen ihren Eltern. Sind wir barmherzig wie der himmlische Vater, vergeben wir wie der Vater, lieben wir die Menschen und sogar die Feinde wie der Vater, sind wir gütig gegen die Undankbaren wie er, lieben die Wahrheit wie er - und die Wahrheit ist alles, was Jesus verkörpert - so erweisen wir uns dadurch als seine Kinder, als die, die ihm gleichen, weil sie seine Kinder geworden sind. Wie der Vater, so die Kinder.
Sind Menschen umgekehrt hartherzig und nachtragend, unbarmherzig und hassen andere Menschen und die Feinde, trachten ihnen im Extremfall gar nach dem Leben, verleugnen und verwerfen Gott und sein Gebot, lehnen Jesus ab und verspotten oder verfolgen gar seine Anhänger, so ist nicht Gott, sondern der Teufel ihr Vater, weil er dieses Wesen und Verhalten hat. Menschen, die so leben, erweisen sich dann als seine Kinder. Auch hier: Wie der Vater, so die Kinder.
Das also ist das Konzept von Vaterschaft in der Bibel: Wem unser Handeln entspricht, der ist unser Vater und wir seine Kinder.
Wenn wir nun den Menschen so begegnen wie uns Gott begegnet, wir also als Kinder Gottes leben, dann können Menschen durch uns wachsen und sich entfalten, weil Segensvolles von uns ausströmt, das von Gott kommt. Jesus drückt das in Johannes 7,38f. so aus: "Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fliessen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht."
Der Geist Gottes strömt, dann von uns aus, konkret heisst das dann, wir lernen und zeigen das Verhalten des himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesus Christus, konkret:
1. Der Vater hat Erbarmen, er vergibt, wir leben von und durch sein Erbarmen. Am Kreuz hat er es verwirklicht. Jesus ist der Sohn des Vaters, in ihm zeigt sich dieses Wesen des himmlischen Vaters vollkommen. So sollen auch wir sein und werden: Die Menschen sollen spüren, dass wir sie lieben, annehmen, ihnen verzeihen. Unverbrüchlich zu ihnen stehen. Wenn sie sich verirren sollen wir sein wie der gute Hirte, der die 99 Schafe zurücklässt und das eine verirrte, verlorene sucht. Wir sollen sein wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, der sehnsüchtig Ausschau hält nach dem Sohn, der ihn verlassen hat, und als der zurückkommt sich einfach nur freut und ein Fest macht, kein Vorwurf ist von ihm zu hören.
2. Auf diesem Boden der bedingungslosen Liebe, die er uns schenkt, verlangt der himmlische Vater auch etwas von uns. Er weist uns nämlich durch sein Gebot an, wie wir leben und wirken sollen, stellt uns in die Verantwortung. So dürfen auch wir andere fördern und dazu ermutigen wie er, unser Mass ist sein Gebot.
3. Unser himmlischer Vater hat echtes individuelles Interesse an jedem seiner Kinder, er wendet sich jedem ganz persönlich zu.
Gott nimmt uns wahr und liebt und achtet und wertschätzt uns in unserer Individualität. Wir sind in seinen Augen wunderbar gemacht. Entsprechend sind wir aufgefordert jeden Menschen persönlich wertzuschätzen, zu lieben in seiner individuellen Art, auf ihn persönlich einzugehen. Wenn unsere Mitmenschen unsere Wertschätzung spüren und erfahren, merken, dass wir sie lieben, weil sie sie sind, auch in kriselnden Phasen der Beziehung, dann gehen die Herzen auf, können Menschen genesen, aufatmen. Das können wir bei unserem Gott erfahren, das sollen die Menschen auch von uns erleben und erfahren.
Diese Veränderungen unseres Herzens und unseres Verhaltens bewirkt Gottes Geist durch Jesu Person, durch Jesu Wort und Lehre und Wirken.
Wenn wir Kinder des Vaters sind, wenn er durch Wort und Geist unsere Herzen erreicht und er in sie einziehen darf und wir mit ihm leben, beginnt sein Wesen auf uns abzufärben, dann werden wir in unserem Wesen, ohne, dass es uns bewusst ist, immer mehr ihm ähnlich und je weiter wir darin gewachsen sind, umso mehr wird das von uns von selbst ausgehen und die Menschen werden es spüren.
Die Beziehung des Vaters und des Sohnes zu uns und unsere Beziehung zum Vater und Sohn, das lässt uns wachsen als Persönlichkeiten, und wenn wir dann in unseren mitmenschlichen Beziehungen das Wesen des Vaters und des Sohnes ausstrahlen, soweit es in uns bereits Raum gewonnen hat, dann werden die Menschen durch uns in einen Raum des himmlischen Vaters und des Sohnes Jesus Christus hineinversetzt, in dem sie wachsen können.
Schliesslich geht es als Erfüllung und Krone von allem auch darum, dass wir unsere Mitmenschen behutsam und an ihre Person angepasst, zur Quelle selbst führen, zu Gott, zum Vater und zum Sohn, damit sie auch, wie wir, in ihm eingewurzelt werden und bleiben. So zieht der Kreis, immer weiter, und das Königreich Gottes weitet und breitet sich aus und trägt Gnade und Segen und Glück und Licht in die Personen hinein und in die Finsternis der Welt hinein.
So kommen Menschen ins Licht, wir dürfen dazu beitragen und werden es, wenn wir selbst im Vater und im Sohn leben. Wenn wir es tun, dann wird es von uns ausströmen, wie Jesus sagt:" Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fliessen." Amen.
WakeUp vom 11. Januar 2026
Predigt: Gerechtigkeit und Fairness
Von Jürg Steiner
«Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)
Liebe Gemeinde, ob ihr oft hier seid oder selten, heute hören wir ein Wort Jesu, das jeden Menschen betrifft. Egal, ob man gläubig ist, zweifelt oder einfach neugierig ist. Die Goldene Regel spricht in unser aller Leben hinein.
Für Jesus gehören Gerechtigkeit und Fairness untrennbar dazu, dass wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten. Darin zeigt sich für ihn wahre Gerechtigkeit und so ist auch Gott. Jesus ruft uns zu: «Sucht zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit.» (Mt 6,33) Und er fasst Fairness in einem einzigen Satz zusammen: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12) In diesen Jesuworten wird sichtbar, wie Gottes Gerechtigkeit und Fairness im täglichen Miteinander Gestalt gewinnen kann.
Jesus öffnet den Blick für das Entscheidende: Wie begegnen wir einander heute? Wie leben wir miteinander? Wie gehen wir mit Macht, Besitz, Neid, Korruption und Verantwortung um?
Der Predigtvers heute ist einer der bekanntesten Sätze Jesu, die «Goldene Regel» und zugleich einer der schärfsten Prüfsteine unseres Lebens und Wirtschaftens: «Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)
Diese «Goldene Regel» ist kein frommer Spruch nur für die KUW, also die kirchliche Unterweisung. Sie ist ein Grundgesetz des Reiches Gottes. Sie fragt: Wie gehst du mit deinem Nächsten um – als Mensch, als Christ, als Unternehmer, als Angestellter, als Bürger? Sogar die UNO übernimmt den Geist der Goldenen Regel, indem sie die gleiche Würde und die gleichen Rechte aller Menschen betont ein Gedanke, der tief im Evangelium verwurzelt ist.
Neben meiner Tätigkeit hier in der Kirchgemeinde Madiswil als Katechet und Jugendarbeiter bin ich hauptamtlich selbständig Erwerbender und stehe für eine christlich geprägte Wirtschaftsordnung, die Freiheit, Verantwortung, Gerechtigkeit, Fairness und soziale Verantwortung miteinander verbindet. Der christliche Kapitalismus anerkennt Eigentum, unternehmerische Freiheit und Risiko, versteht diese jedoch als anvertraute Güter, die unter dem Anspruch des Evangeliums und der Nächstenliebe stehen. Der christlich verstandene Ur‑Kommunismus verweist auf die freiwillige Gütergemeinschaft der ersten christlichen Urgemeinde, in der Nächstenliebe, Solidarität und gegenseitige Unterstützung gelebt wurden. So ordnet der christliche Kapitalismus die Freiheit, und der christliche Ur‑Kommunismus ordnet die Liebe.Kritisch beurteile ich sowohl planwirtschaftliche Gleichmacherei, auf Kosten der Freiheit und die Gerechtigkeit erzwingen will, als auch kapitalistische Ausprägungen, die Gewinn über Würde, Gerechtigkeit und Fairness stellen. Beide Ansätze bleiben hinter der biblischen «Goldenen Regel» zurück.
Doch bevor wir über «-ismen» sprechen, hören wir was die Bibel sagt. Bereits in der Tora, in den fünf Bücher Mose spricht Gott: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst, ich bin der Herr». – 3. Mose (Levitikus) 19,18
Durch die ganze Bibel zieht sich ein roter Faden: Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit. Die Propheten haben das unüberhörbar verkündet.
Der Prophet Amos tritt in einer Zeit grosser wirtschaftlicher Blüte auf aber diese Blüte basiert auf Ausbeutung. Er ruft: «Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.» (Amos 5,24)
Nicht Wohlstand ist das Problem, sondern ein Wohlstand, der auf Kosten der Schwachen entsteht. Gott stellt sich schützend vor die Armen, die Verschuldeten, die Rechtlosen. «Recht wie Wasser» bedeutet: Gerechtigkeit soll überall hinfliessen, niemand soll vergessen werden. «Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach» heisst: Fairness und Güte sollen niemals aufhören, sondern jeden Tag neu da sein.
Der Prophet Micha fasst Gottes Willen in einem einzigen Satz zusammen: «Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott» (Micha 6,8). Gott sagt: Wahre Frömmigkeit zeigt sich nicht in Opfergaben, sondern in fairem, liebevollem, verantwortlichem und gerechten Handeln. Gottes Bibelwort lehrt Gerechtigkeit, Fairness und Liebe, nicht als Theorie, sondern als Lebensstil.
Jesus steht genau in dieser Linie der beiden Propheten. Er predigt nicht nur die Worte Gottes, seines Vaters, er lebt sie. Als er im Tempel sieht, wie Frömmigkeit zur Geldmaschine geworden ist, wie Menschen betrogen werden, reagiert er nicht lauwarm. Er stellt sich dem Unrecht entgegen, wirft die Tische der Geldwechsler um und sagt: «Ihr habt aus dem Haus meines Vaters eine Räuberhöhle gemacht.» (Mt 21,13). Jesus spricht hier gegen wirtschaftliche Ausbeutung im Namen Gottes. Jesus ist nicht gegen Handel. Er ist gegen Betrug, Ausnutzung und Heuchelei. Gegen ein System, in dem religiöse Sprache zum Deckmantel für ungerechte Geschäfte wird.
Mitten in diese Realität hinein spricht Jesus die Goldene Regel: «Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.» Jesu Satz ist die einfachste und zugleich tiefste Form von Wirtschaftsethik: Handle so, dass du selbst damit leben könntest, wenn du auf der anderen Seite wärst.
Eine zweite Linie der Bibel führt zu Josef in Ägypten. Josef ist kein Träumer, kein «you dream, du!». Er erkennt die kommenden Jahre des Überflusses und der Hungersnot, organisiert Vorräte, verwaltet klug und verteilt gerecht. Josef verkörpert verantwortliche Wirtschaftsführung, durch Planung, Struktur, Weitsicht, damit Menschen überleben können.
Oft wird in diesem Zusammenhang die Apostelgeschichte erwähnt. Dort lesen wir von einer Gütergemeinschaft in der ersten jüdisch, christlicher Gemeinde:
«Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.» (Apg 2,44)
Wichtig ist:
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Es war freiwillig. Petrus sagt zu Hananias: «Blieb es nicht dein Eigentum?» (Apg 5,4) Das Problem war die Lüge, nicht der Besitz, das Eigentum des Ackers.
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Es war lokal und zeitlich begrenzt. Später in Korinth oder Thessalonich gibt es weiterhin Hausbesitzer, Arbeitgeber, unterschiedliche Vermögenslagen.
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Es war gelebte Nächstenliebe, keine staatliche Struktur. Keine Ideologie, kein Zwang, sondern eine geistgewirkte Praxis unter Glaubenden.
Die Gütergemeinschaft der Urgemeinde war eine freiwillige, geistgewirkte Solidarform und steht in keinem strukturellen oder ideologischen Zusammenhang mit modernen kommunistischen Systemen. Eigentum blieb bestehen; gefordert war nicht Gleichmacherei, sondern freiwilliges Teilen.
Wenn ich von «christlichem Kapitalismus» spreche und von einem «menschlichen Sozialismus» abgrenze, meine ich genau diese Unterscheidung:
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Christlicher Kapitalismus achtet Eigentum, Freiheit, Unternehmertum und Risiko aber alles steht unter Christus. Gewinne sind anvertraute Mittel. Macht ist Verantwortung.
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Menschlicher Sozialismus vertraut stark auf Planung und Gleichmacherei. Doch die Bibel zeigt: Systeme, die Gerechtigkeit erzwingen wollen, können in Kontrolle und neue Ungerechtigkeiten kippen.
Biblisch gilt: Kein wirtschaftliches oder politisches System erlöst den Menschen. Weder Kapitalismus noch Sozialismus noch Kommunismus können das leisten, was allein Gott in Jesus Christus tut. Alle Systeme bleiben von der Sünde geprägt. Entscheidend ist daher das menschliche Herz: Ob darin Gottes Gerechtigkeit und die von Jesus gelebte Fairness Raum gewinnen oder Ungerechtigkeit und Unfairness herrschen.
Der christliche Weg nimmt Elemente aus allen biblischen Beispielen ernst:
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Von Amos und Micha lernen wir: Gerechtigkeit ist unverzichtbar.
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Von Jesus lernen wir: Wirtschaft ohne Wahrheit und Liebe verfehlt ihren Sinn.
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Von Josef lernen wir: Verantwortung braucht Planung und Strukturen.
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Von der Apostelgeschichte lernen wir: Liebe kann so stark werden, dass Menschen freiwillig teilen aber nie unter Zwang.
Für uns heute, besonders hier in der Schweiz: Die Goldene Regel fordert uns konkret heraus. Wie behandle ich Menschen, die von mir abhängig sind? Wie kalkuliere ich Preise? Wie gehe ich mit Steuern, Löhnen, Verträgen um? Wie verhalte ich mich, wenn ein System mir erlaubt, Vorteile zu nutzen, die anderen schaden?
Christlicher Kapitalismus im Alltag heisst: Ich nutze Freiheit, Eigentum und Markt – aber ich lasse mir ins Gewissen reden von Jesus. Ich frage: Würde ich wollen, dass man mit mir so umgeht? Wenn nicht, ändere ich es.
Liebe Gemeinde, die Goldene Regel ist nicht naiv. Sie ist radikal. Sie konfrontiert uns als Selbständige, Angestellte, Konsumenten, Bürger. Sie führt uns zurück zum Evangelium, zu diesem einfachen, aber tiefen Satz Jesu:
«Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!» (Mt 7,12)
Wenn wir diese Haltung in Partnerschaft und Familie, in Nachbarschaft und Arbeitswelt, in politischer Gemeinde und Kirchgemeinde sowie im öffentlichen Leben ernst nehmen, verwandelt sich unsere Wirtschaft zwar nicht automatisch in das Himmelreich, doch sie gewinnt den spürbaren Duft des Reiches Gottes.
Möge Gott uns den Mut schenken, so zu handeln: frei, verantwortungsvoll, gerecht und barmherzig im Geist Jesu Christi in seinem Evangelium!
Ich danke Ihnen allen für die Geduld meiner Botschaft zuzuhören.
Amen.
